Jallow findet letzte Ruhe in der Heimat

Magdeburg/MZ. Der Leichnam des in einer Dessauer Polizeizelle umgekommenen Asylbewerbers Oury Jallow soll in seine afrikanische Heimat überführt werden. Die Berliner Rechtsanwältin Regina Götz bestätigte gestern, dass sie von der Mutter und vom Onkel des 21-Jährigen beauftragt worden sei, die sterblichen Überreste Jallows nach Guinea-Bissau bringen zu lassen. Die Kosten dafür will das Land Sachsen-Anhalt übernehmen. "Der Innenminister hat entschieden, dass wir dafür aufkommen", sagte der Sprecher des Innenministeriums, Matthias Schuppe.

Jallow war Anfang Januar im Dessauer Polizeigewahrsam verbrannt. Wie ein Feuerzeug, mit dem der Brand verursacht worden sein soll, in die Zelle kam, ist unklar. Die Beamten hatten zunächst erklärt, den alkoholisierten Asylbewerber durchsucht zu haben. Inzwischen verweigern sie die Aussage. Gegen drei Polizisten wird straf- und dienstrechtlich ermittelt. Der inzwischen suspendierte Dienstgruppenleiter hatte zudem die Brandmeldeanlage der Zelle ausgeschaltet und dies mit der Vermutung begründet, es handele sich um einen Fehlalarm.

Anwältin Götz, die inzwischen Akteneinsicht erhalten hat, sprach von "zahlreichen offenen Fragen". So sei ihr nicht klar, warum Oury Jallow vier Stunden lang ohne Dolmetschereinsatz in Gewahrsam genommen worden sei. Die Ermittler hatten dies damit begründet, dass der Mann zur Identitätsfeststellung mitgenommen worden sei und man sich mit ihm in gebrochenen Deutsch verständigt habe.

Die Juristin schloss nicht aus, dass sie nach Abschluss der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen zivilrechtlich gegen die beteiligten Polizeibeamten vorgeht. "Zunächst geht es aber um die Aufklärung des Sachverhalts", so Regina Götz.

Unterdessen erwägen Bürger der Stadt Dessau, mit einer Trauerfeier des Verstorbenen zu gedenken. "Wir wollen den Moslem würdig die letzte Ehre erweisen", so Kreisoberpfarrer Joachim Diestelkamp.