300 Afrikaner stürmten illegal über die EU-Grenze
Mit aus Ästen gebastelten Leitern kletterten sie über den Grenzzaun in die
spanische Exklave Melilla
Afrikaner warten auf eine Möglichkeit für den Grenzübertritt
Afrikaner warten auf eine Möglichkeit für den Grenzübertritt
Foto: AP

Melilla - Trotz nochmals verstärkter Grenzbefestigungen ist es am Montagmorgen
rund 300 von 700 afrikanischen Flüchtlingen gelungen, in die spanische Exklave
Melilla und damit in die EU zu gelangen. Diese Zahlen wurden von der spanischen
Polizei genannt. Das Innenministerium in Madrid bestätigte den zweiten
Massenansturm in das nordafrikanische Gebiet seit vergangenen Mittwoch.

Die Polizeiwache in Melilla war am Montagmorgen voller Flüchtlinge, die sich
nach ihrer waghalsigen Flucht über zwei Stacheldrahtzäune stellten. Die meisten
wurden mit Bussen in ein ohnehin schon überfülltes Flüchtlingslager gebracht.

Nach dem ersten Ansturm waren zusätzliche Soldaten an der Grenze stationiert
worden und hinter dem bereits bestehenden drei Meter hohen Hi-Tech-Zaun wurde
eine zweite, doppelt so hohe und mit Stacheldraht bewehrte Sperre erreichtet.
Während die Flüchtlinge am Mittwoch die nördlichen und südlichen Zipfel der
sichelförmigen Grenzanlagen stürmten, versuchten es die am Montag gegen 05.00
Uhr mehr in der Mitte.

Die durchkamen, überwanden die Hindernisse mit provisorischen, aus Ästen
gebastelten Leitern. Stunden nach dem Ansturm lagen an den Barrieren Schuhe,
Handschuhe, Hemden und andere Kleidung herum. Der Bürgermeister von Melilla,
Juan Jose Imbroda, sagte in einem Rundfunkinterview, die Verstärkung der
spanischen Grenzposten sei nicht die Lösung des Problems. Notwendig sei eine
bessere Zusammenarbeit und Koordination mit Marokko. „Die Lösung muß von der
anderen Seite der Grenze kommen“, sagte Imbroda dem Sender Cadena Ser.

Am vergangenen Mittwoch hatten rund 1.000 Flüchtlinge versucht, mit
improvisierten Leitern über die Stacheldrahtverhaue zu gelangen. 300 kamen
durch, 40 erlitten Verletzungen. Bei einem ähnlichen Ansturm in der spanischen
Exklave Ceuta kamen sogar fünf Flüchtlinge ums Leben.

Artikel erschienen am Mo, 3. Oktober 2005