von Michal Stachura - 30.10.2005 16:01
Bild Der Rassimus in Deutschland ist längst zum Alltag geworden. Besonders
ernüchternd wird er immer dann, wenn man selbst Zeuge eines völlig
ungerechtfertigten Gewalt-Angriffs der Polizei in Kooperation mit der Deutschen
Bahn wird. In diesem Fall wuchs die Brutalität des BGS proportional zur
dessen
Rechtslosigkeit. ZEUGINNEN des Vorfalls werden dringend gesucht !
Es war ein sonniger Oktober-Samstag. Jean-Paul besuchte einen Freund in
Frankfurt (Oder), dann nahm er die Bahn und fuhr nach Berlin zurück. Als
der
Schaffner kam zeigte er sein Wochenendticket. Dann kam der BGS. Insgesamt 9
BGS- BeamtInnen. Hauptmeister Grabs sagt dazu vor Ort: „Versuchter Betrug
und
Erschleichung von Leistungen“. Jean-Paul vergaß seinen Namen in
das
Wochenendticket einzutragen, "er hätte das Wochenendticket ja auch
weitergeben
oder verkaufen können". Doch zur Aufklärung des Sachverhalts
war der BGS nicht
vom Zugführer gerufen. Ohne zu fragen gingen die PolizistInnen auf den
jungen
Mann los und traktierten diesen mehrmals mit Tränengas. Fast eine halbe
Stunde
verdrehten die BeamtInnen seine Hände, drückten ihn zwischen die Sitze.
Die
Fahrgäste des Regionalexpresses lasen ruhig ihre Zeitung weiter, ab und
zu
schauten sie sich den Überfall an. Der Zug fuhr nun plötzlich wieder
los, doch
dann stoppte er wieder nach weinigen Metern.
Der BGS fesselte den Studenten mit Handschellen auf dem Rücken. Er schrie
vor
Schmerzen und weinte, konnte nicht mehr atmen. Ein Beamter sprühte dann
das
Tränengas noch mal von unten direkt ins Gesicht. „Der soll gefälligst
seinen
Ausweis zeigen“ brummte ein Fahrgast. Ein polnischer Student der
Europa-Universität Viadrina aus Frankfurt (Oder) protestierte. Doch dann
riefen
einige: „Jetzt wird man sogar im eigenen Land Mundtod gemacht“.
Ein anderer
Passagier meinte schlicht: „ein Illegaler“. Aber Jean-Paul ist kein
Illegaler,
den illegal kann kein Mensch sein. Er ist 29 und studiert Lebensmitteltechnik
an der Technischen Universität in Berlin. Er besitzt auch eine unbefristete
Aufenthaltserlaubnis, falls dieses Fetzten Papier eine bessere Behandlung
überhaupt legitimisieren hätte können.
Jean-Paul hat ein anderes Problem. Er ist Schwarz.
Dann wird der junge Mann aus der Bahn heraus getragen und auf den Bahnsteig
des
Ostbahnhofes geworfen. Er weint, aus seiner Nase quellt Schleim heraus, er ist
wegen dem Pfefferspray-Einsatz in Atemnot. Auf den Bahngleisen stehen, mehrere
DB-Angestellte. Eine Frau schreit aus dieser Gruppe heraus: „in Frankreich
hätte man mit dem gar nicht so lange gezappelt“. Nur ein junger Medizinstudent,
der ebenfalls auf dem Bahnsteig stand, findet Mut um gegen diese Behandlung
zu
protestieren: "Warum sitzt der Mann auf dem Boden, was hat er denn gemacht,
ich
habe noch nie einen Menschen gesehen der wegen einem Wochenendticket so brutal
misshandelt wird !".
Polizeimeister Lenk antwortet ihm; „Wir handeln nach Recht. Die Beamten
hatten
keine Lust sich da anzulegen. Jeder Reisende der sich widersetzt muss mit
Gewaltanwendung rechnen. So primitiv sind wir nicht!“
Jean-Pauls Pullover ist Blutverschmiert. Aus seinem Ohr kommt Blut. Das Geicht
ist voller Tränen. Während der Medizinstudent noch diskutiert, bringt
endlich
jemand ein Rollstuhl. Wir fahren auf die Wache, dort werden seine Personalien
noch einmal kontrolliert und Jean-Paul kann gleich gehen.
Wir stehen in der Empfangshalle des Ostbahnhofes. „Ich komme aus Kamerun,
habe
doch nur meinen Freund besucht in Frankfurt (Oder). Warum haben sie mich so
gedemütigt?“
Jean-Paul zittert am ganzen Leib, aus seinem Ohr kommt immer noch Blut. Ich
empfehle ihm sich an die Antirassistische Initiative zu wenden und eine
Dienstaufsichtsklage und Anzeige wegen Körperverletzung gegen die prügelnden
Beamten einzuleiten. Ich schäme mich. Dann lasse ich ihn alleine in der
Empfangshalle stehen.
ZEUGINNEN DES VORFALLS GESUCHT !!! Bitte melden unter folgender Mail: kamil
(at)
peaceresearch.com
Wer hat den Vorfall am Samstag den 29.10.2005 gegen 12:00 Uhr aufGleis 6 des
Ostbahnhofes im Zusammenhang mit dem eingefahrenen Regionalexpress der Relation
Frankfurt (Oder) - Magdeburg (RE 38020) beobachtet und will sich Jean-Paul als
Zeuge zur Verfügung stellen.