Integration braucht nur noch drei Jahre
Zuwanderungsgesetz strafft Beratung - Caritas sorgt sich um Hilfen für Fremde -
Übergangsfrist bis Jahresende Schwandorf. Besorgte
Mienen bei Caritas-Geschäftsführer Wolfgang Reiner, dem Berater für
Asylbewerber Peter Stadler und Jasmin Hummel, die sich um die Spätaussiedler
kümmert. Das neue Zuwanderungsgesetz, gültig seit 1. Januar, macht
ihnen zu schaffen. Durch die Zusammenlegung von Migrations- und Asylberatung
sehen sie die Gefahr, dass es Menschen aus anderen Ländern erschwert wird,
hier Fuß zu fassen.
Die Migrationsberatung wird im Gesetz auf drei Jahre begrenzt und richtet sich
an Personen zwischen 12 und 27 Jahren. "Wer dann noch nicht integriert ist,
keine Arbeit hat und die Alltagsprobleme nicht alleine meistern kann, soll sich",
so Reiner, "an die allgemeine Sozialberatung wenden. Diese wird das von der
Kapazität her nicht zusätzlich bewältigen können", prophezeit
er.
Weniger Geld für Beratung
Die Caritas befürchtet auch, dass die Präventionsarbeit, die von den
Beratungsstellen geleistet wird, nicht mehr aufrechterhalten werden kann. Denn
eine Straffung der Beratung dürfte mit weniger Geld für die Stellen,
die die Arbeit leisten, verbunden sein und in allerletzter Konsequenz mit Stellenabbau.
Dies will Reiner aber, so lange es geht, verhindern. An einer rein konzeptionellen
Umsetzung des Zuwanderungsgesetzes in diesem Punkt wird derzeit noch gearbeitet.
Bis Ende des Jahres gilt eine Übergangsfrist.
"Bei den Asylbewerbern leiste ich oft auch Krisenintervention", so die jahrelange
Erfahrung Stadlers, der zu diesen Leuten nicht selten ein wertvolles Vertrauensverhältnis
aufgebaut hat. Jugendliche würden bei einer Kürzung der Beratung teilweise
zu Fällen für das Jugendamt, auf dessen Kosten drücken und "dann
wird der Etat wieder um eine Million überschritten", bringt der Caritas-Geschäftsführer
die Folgen auf einen kurzen Nenner. Er spielt dabei auf den Jugendhilfeetat
von 2004 an (wir berichteten).
Keineswegs in Abrede stellen oder anzweifeln wollen alle drei sinkende Zahlen
bei Spätaussiedlern und Asylbewerbern. Nach Aussagen der Regierung der
Oberpfalz werde der Zuzug der Spätaussiedler 2008 gegen null gehen. Doch
diese Tatsache sei nicht mit Integration gleichzusetzen. "Der Migrationshintergrund
ist oft nach zehn Jahren noch da."
Etwa 3000 Spätaussiedler leben nach Schätzungen der Caritas in der
Kreisstadt. Besonders schwierig sei die Umgewöhnung für Jugendliche,
die in der alten Heimat sozialisiert sind. Perspektiv- und orientierungslos
drohe ihnen hier das Scheitern. 13- oder 14-Jährigen könnten die Eltern
nicht den nötigen Halt bieten. Gerade da würden Berater oft steuernd
eingreifen.
Zu lange Asylverfahren
Stadler und Reiner widersprechen dem Vorurteil Fremde seien überwiegend
kriminell. Zum einen gebe es Delikte, die nur ein Ausländer begehen kann,
wie Verstöße gegen das Asylverfahrensgesetz, zum anderen seien Ausländer
nicht mehr und nicht weniger drogenabhängig als Deutsche. Die Zahlen in
den verschiedenen Gesellschaftsschichten, ob Deutsche oder Ausländer, würden
sich gleichen. Da Fremde vielfach zur untersten sozialen Schicht gehörten,
würden die Eindrücke verzerrt. Außerdem würde ihnen auch
stärker auf die Finger gesehen.
Verpflichtend sind im neuen Zuwanderungsgesetz Sprachkurse. "Integration wird
mit Sprachkenntnissen verwechselt. Sprache ist ein Mittel zur Integration,"
so Stadler. Ihm ist die lange Dauer von Asylverfahren ein Dorn im Auge. "Nur
1,5 Prozent der Asylbewerber werden anerkannt, aber 30 bis 40 Prozent bleiben
im Land durch Duldung oder Aufenthaltserlaubnis." Manche würden erst nach
zehn Jahren abgeschoben.
Die Caritas will alles daran setzen, dass die erfahrenen Berater ihre Arbeit
weitermachen können. Die drei Fachleute erwarten in den nächsten Jahren
eine Migration innerhalb Europas, zum Beispiel Arbeitsmigration mit Familien
aus neuen EU-Ländern - eine Situation, die mit jener der einstigen Gastarbeiter
vergleichbar ist.